Ratgeber "Adaptivrollstühle für Kinder"

Adaptivrollstühle für Kinder können optimal an die Größe und die behinderungsbedingten Anforderungen angepasst werden. Hierfür stehen enggestufte Sitzabmessungen (Sitztiefe, Sitzbreite, Rückenhöhe) zur Verfügung. Auch können die Sitzneigung, die Sitzhöhe und der Schwerpunkt des Rollstuhles genau eingestellt werden. Ein negativer Sturz der Antriebsräder erhöht die Wendigkeit des Rollstuhles, macht ihn kippsicherer und schützt die Hände vor einem eventuellen Einklemmen. Es stehen meist mehrere Rückenteile, Seitenteile, Fußstützen, Schwenkrollen und Antriebsräder zur Auswahl. Durch diese Kombinationsvielfalt ist eine gute Anpassung an die behinderungsbedingten Anforderungen des Kindes möglich. Adaptivrollstühle für Kinder werden in zwei unterschiedlichen Bauformen hergestellt (siehe Varianten). Um das Eigengewicht der Rollstühle gering zu halten, werden Teile oder auch der ganze Rahmen aus leichten Werkstoffen (z. B. Alu, Titan oder Kohlefaserverbundwerkstoffen) hergestellt.

Nähere Informationen siehe „Sitzhilfen für Rollstühle“ und „Vermeiden von Druckgeschwüren im Rollstuhl“.

Hilfsmittelbeispiele

Zur Illustration der im Ratgeber "Hilfsmittel für die häusliche Pflege" beschriebenen Gegenstände verwendet Barrierefrei Leben e.V. neben eigenen Fotos Bildmaterialien von Dritten (z.B. Vereinen, Verbänden, Herstellern und Händlern). Die Darstellung und Nennung von Produkten und Herstellern dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Empfehlung dar. Es wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. Barrierefrei Leben e.V. verkauft keine Produkte!

Für Kinder, deren Gehfähigkeit stark eingeschränkt oder nicht vorhanden ist, und die in der Lage sind, den Adaptivrollstuhl aus eigener Kraft zu nutzen.

Es gibt zwei unterschiedliche Rollstuhl-Bauformen: Faltrollstühle und Starrrahmenstühle:

  • Der Faltrollstuhl: Er ist über eine Kreuzstrebe in der Längsachse faltbar.

    Vorteil:
    Der Faltrollstuhl kann einfach und schnell zusammengeklappt und verstaut werden.

    Die Kreuzstrebe führt eigentlich zu einem besseren Dämpfungsverhalten beim Befahren von unebenem Untergrund, aufgrund des geringen Körpergewichts von Kindern kommen diese Dämpfungseigenschaften aber kaum zum Tragen.

    Durch Austausch der Kreuzstrebe und der Sitz- und Rückenbespannung kann der Rollstuhl an das Wachstum des Kindes angepasst werden.

    Nachteil:
    Das Gewicht eines Faltrollstuhles ist höher als bei einem Starrrahmenstuhl.

    Das höhere Gewicht und die flexiblen Verbindungen können zu einer schlechteren Kraftübertragung führen.

    Der Einstellbereich der Drehachse ist kleiner als beim Starrrahmenstuhl.
     
  • Der Starrrahmenstuhl: Der Rahmen ist fest verschweißt


    Vorteil:

    Stabilität

    Gute Kraftübertragung

    Geringes Gewicht

    Teilweise ist eine Berücksichtigung des Wachstums des Kindes durch auseinanderziehbare Rahmen möglich.

    Nachteil:

    Fehlende Dämpfungseigenschaft auf unebenem Untergrund. Manche Modelle haben deshalb eine zusätzliche Federung eingebaut.

    Größeres „Packmaß“: Zum Transport sollte die Rückenlehne zur Sitzfläche hin geklappt und die Räder abgenommen werden.
  • Weitere Varianten siehe Adaptivrollstühle.
  • Für die Auswahl des richtigen Adaptivrollstuhles sollten die individuellen Bedürfnisse des Kindes ermittelt werden. Es ist ratsam gemeinsam mit den Eltern, den Therapeuten und dem Sanitätshaus eine optimale Lösung zu finden. Ein Bedarfsermittlungsbogen kann dabei hilfreich sein.
    Link: Rehakind-Bedarfsermittlungsbogen
  • Ein Rollstuhlsitzkissen wird extra ausgewählt und bei dem Kostenträger beantragt. Das Kissen muss den behinderungsbedingten Anforderungen (z. B. Vorbeugung eines Druckgeschwüres, Dekubitusprophylaxe) entsprechen. Siehe auch „Sitzhilfen für den Rollstuhl“ und „Vermeiden von Druckgeschwüren im Rollstuhl“.
  • Für eine bestmögliche Ausnutzung der Möglichkeiten eines Adaptivrollstuhls ist eine optimale Einstellung notwendig: Fehler in der Fahrwerksgeometrie, zu geringer oder unterschiedlicher Reifendruck, ein extremer Radsturz und vieles mehr erschweren das Fahren eines Rollstuhles erheblich.
  • Die selbständige Rollstuhlnutzung sollte geübt werden, um Fehlbelastungen zu vermeiden und eine größtmögliche Selbständigkeit zu erlangen. Es werden dafür spezielle Mobilitäts- und Rollstuhltrainingskurse angeboten (Kursangebote). Die Kosten für die Kurse werden teilweise von den Krankenkassen übernommen. Auch können Ergo- oder Physiotherapeuten ein ärztlich verordnetes Rollstuhltraining durchführen.

Wenn Sie gesetzlich versichert sind: Einige Adaptivrollstühle für Kinder (Produktgruppe Behinderten- und Krankenfahrzeuge) sind im Hilfsmittelverzeichnis der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aufgeführt. Liegt ein Rezept von einem Arzt vor, kann das Hilfsmittel von der Krankenkasse finanziert werden.

Wenn Sie privat versichert sind: Bei Vorliegen einer ärztlichen Verordnung (Privatrezept) können die Kosten für das Hilfsmittel von der Privaten Krankenkasse (PKV) erstattet werden, wenn dies im Versicherungsvertrag vereinbart wurde. Bitte fragen Sie vorher gegebenenfalls bei Ihrer Privaten Krankenkasse nach. Die Kostenerstattung für Pflegehilfsmittel erfolgt wie bei der gesetzlichen Pflegekasse.